David Garrett und seine „Music“

admin 5. November 2012 Kommentare deaktiviert für David Garrett und seine „Music“

Anlässlich seines neuen Crossover-Projektes Music und seiner aktuellen Tour sprach TICKET mit David Garrett über die Wirkung von (klassischer) Musik, Qualität und seinen Ausflug zum Film.

Sieht man sich deine Karriere an, wirkt diese wie ein Freimachen von Zwängen – sowohl von der klassischen Musik als auch vom Elternhaus.

David Garrett: Ein Stück weit gebe ich dir da Recht. Auf der anderen Seite würde ich „Zwänge der klassischen Musik“ so jetzt nicht unterschreiben. Sie ist das Fundament, das mir die Möglichkeit gibt, Crossover-Projekte gut und seriös zu machen. Crossover hat für mich immer nur einen Sinn, wenn man auch ein musikalisches Zuhause hat: das ist für mich immer die Klassik gewesen. Es gab sicherlich einmal eine Zeit wo ich eher die Zwänge des Elternhauses loswerden wollte.

Wie ist die Beziehung zu deinen Eltern heute?

David: Die hat sich wieder normalisiert. In meiner Jugend waren wir für viele Jahre auf engstem Raum: dadurch, dass mein Vater selbstständig war, konnte er es sich wunderbar einteilen, dass er mit mir viel Zeit verbringt und übt.

Du interpretierst Klassik jetzt aber sehr frei oder arrangierst sie auch um.

David: Da muss ich dir wiedersprechen! Wenn ich Klassik spiele dann so wie es der Komponist aufgeschrieben hat. Man darf die Klassik-Projekte nicht mit meinen Crossover-Projekten verwechseln. Bei den Crossover-Projekten nehme ich mir alle Freiheiten der Welt. Für ein solches Projekt finde ich es interessant und auch notwendig sich selber mehr mit einzubeziehen. Wenn ich jetzt ein Klassikkonzert – z.B. auch hier in Wien mit den Wiener Symphonikern im Konzerthaus – spiele, dann halte ich mich so wie jeder klassische Musiker an den Urtext.
Beim Crossover versuche ich eine Aufmerksamkeit zu schaffen und eine Komposition in die heutige Zeit zu bringen. Denn für mich sind guter Rhythmus, eine gute Melodie sowie eine gute Harmoniefolge zeitlos. In diesem Sinne ist Beethoven genauso populär arrangierbar. Es geht mir darum, dass man sieht, dass die Musik lebt. Die Musik ist verwandelbar. Wer weiß was Beethoven heutzutage geschrieben hätte!

Denkst du, dass du es schaffst in einer Halle mit 10.000 ZuhörerInnen intime Momente zu schaffen?

David: Ich weiß, dass ich das schaffe; ich habe das schon oft gemacht. Das funktioniert absolut! Das sind dann Momente, in denen man wirklich eine Stecknadel fallen hören kann. Das ist doch toll, wenn man merkt, dass sich da wirklich die Aufmerksamkeit hebt.

Wie ist das Verhältnis zwischen klassischen Konzerten und Crossover-Konzerten?

David: Das hält sich wirklich die Waage. Also ich versuche auch immer, nach einem Crossover-Album ein Klassikalbum zu machen: Vor Music war Legacy mit u.a. dem Violinkonzert in D-Dur von Beethoven und Kompositionen von Fritz Kreisler, davor war Rock Symphonies und wieder vorher Classic Romance mit dem Violinkonzert von Mendelssohn. Auch wenn vielleicht mehr berichtet wird wenn ich in der Stadthalle spiele weil es in den Boulevardmagazinen einfach präsenter ist.

Gibt es zeitgenössische Komponisten die du spannend findest bzw. mit denen du zusammen arbeiten möchtest?

David: Es gibt sicherlich ein paar Projekte die an mich herangetragen wurden, aber es war bis jetzt nichts dabei wo ich mir dachte, das müsse ich machen. Ich bin jemand, der davon entweder zu 100 % überzeugt ist oder es nicht anfasst.

Denkst du, dass man als Crossover-Künstler das Publikum für die Klassik gewinnen kann?

David: Es kommt darauf an, was du für ein Künstler bist. Wenn du gut bist und auch Klassik gut spielen kannst dann ganz klar. Das Publikum folgt ja auch ein Stück weit deiner Person.

Du holst auch immer wieder einmal eine Frau aus dem Publikum auf die Bühne.

David: Die wählt mein Tourmanager aus; natürlich versuche ich auch einen Unterhaltungswert in die Show reinzubekommen. Der Kontakt zu meinem Publikum ist für mich sehr wichtig. Ich fand die Idee, jemanden nah an die Performance heranzubringen, interessant.

Könnte das auch ein Mann sein?

David: Sagen wir so: es ist mir dann schon lieber wenn das ein weiblicher Part ist. Nach der Statistik ist mein Publikum übrigens ziemlich ausgewogen: 60 % weiblich, 40 % männlich.

Hast du einen Lieblingskomponisten?

David: Bach. Weil er für mich alles beinhaltet was gute Musik ausmacht.

Was ist für dich gute Musik?

David: Wenn sie Struktur, Rhythmus und Harmonie hat!

Du hast jetzt im Film Der Teufelsgeiger (Kinostart Herbst 2013) Niccolo Paganini gespielt. Wirst du weiter als Schauspieler arbeiten?

David: Das war für mich eine einmalige Gelegenheit, die mir Spaß gemacht hat. Es war auch ein großer körperlicher Aufwand das hinzubekommen. Es war ein leidenschaftliches Projekt, aber eine „once in the lifetime experience“.

Interview: Paul M. Delavos

Hören Sie Rock Anthems live am 23. November in der Olympiahalle Innsbruck und Music in der Wiener Stadthalle (Halle D) am 13. Mai!
Music ist bei Universal Music erschienen.

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